VDCO mit Infoabend zu telemedizinischem Augenscreening

Im Rahmen eines online Infoabends der VDCO unter dem Titel „Screening setzt Expertise voraus – oder nicht?“ diskutierten Vertreter der VDCO, Stephan Hirschfeld, Markus Schuldt und Chantal Marie Selke mit Dr. Claus Gruber von Mirantus Health über Telemedizin als Standard und weitere mögliche Entwicklungen in der augenmedizinischen Versorgung.

Im Zentrum stand die Frage, wie Screening-Angebote künftig strukturiert sein müssen, um Versorgungsengpässe zu adressieren und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards sicherzustellen. Ausgangspunkt der Diskussion ist eine sich weiter zuspitzende Versorgungssituation in der Augenheilkunde. Dr. Claus Gruber zeigte in einer kurzen Präsentation den steigenden Bedarf an Früherkennungsuntersuchungen auf, welche auf begrenzte fachärztliche Kapazitäten stößt. Schätzungen zufolge sind bis zu 80 % der Fälle durch rechtzeitige Früherkennung und Intervention vermeidbar. Gleichzeitig steigt mit einer alternden Bevölkerung die Inzidenz chronischer Augenerkrankungen wie Glaukom, altersbedingte Makuladegeneration oder diabetische Retinopathie – Erkrankungen, die häufig lange asymptomatisch verlaufen und daher besonders auf strukturierte Screening-Programme angewiesen sind. Parallel dazu führt der demografische Wandel auch auf Seiten der Leistungserbringer zu Engpässen, da ein signifikanter Anteil der Augenärzte kurz- bis mittelfristig aus dem Berufsleben ausscheidet.

Mirantus Health setzt der Entwicklung ein telemedizinisches Versorgungsmodell entgegen. Das Unternehmen hat eine digitale Plattform entwickelt, die standardisierte Augenuntersuchungen vor Ort – etwa bei Augenoptikern als auch in mobilen Einheiten mit der Befundung durch Augenärzte vernetzt. Die erhobenen Daten werden digital an Augenärzte übermittelt und innerhalb von 48 Stunden fachärztlich bewertet, wodurch Patienten eine fundierte Einschätzung und bei Bedarf eine gezielte Weiterleitung zur angemessenen Versorgung erhalten. Ziel von Mirantus Health ist ausdrücklich nicht die Diagnosestellung im Screening selbst, sondern die strukturierte Triage: Die Entscheidung, ob eine augenärztliche Abklärung erforderlich ist, eine refraktive Versorgung ausreicht oder kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht.

Für Augenoptiker eröffnet sich damit grundsätzlich ein schon bekanntes Tätigkeitsfeld der Optometrie, welches bisher aber nur von ausgebildeten Optometristen bespielt wurde, ohne dass es bei den Krankenkassen abrechenbar ist und bisher unter nicht klar definierten Voraussetzungen.
Und genau hier will die VDCO ansetzen: Ein Ziel, welches Stephan Hirschfeld, 1. Vorsitzender der VDCO, am Abend formulierte, ist die Abrechnung von optometrischen Untersuchungen vom Optometristen selbst. Damit Optometristen künftig eigenständig Screening-Leistungen mit Krankenkassen abrechnen können, sind nach Einschätzung der Diskutierenden mehrere Voraussetzungen notwendig: entscheidend ist vor allem eine einheitliche, standardisierte Qualifikation. Derzeit erschweren heterogene Ausbildungswege eine eindeutige Einordnung von Kompetenzen. Einheitliche Abschlüsse und Zertifizierungen, etwa durch etablierte europäische Standards, könnten hier eine Grundlage für gesundheitspolitische Anerkennung und eine stärkere Integration in die Regelversorgung schaffen. Aktuell existieren in Deutschland unterschiedliche Ausbildungswege für den Beruf des Optometristen ohne klar definiertes Qualifikationsniveau. Daher ist ein homogener Standard für die Ausbildung oder Studium zum Optometristen für eine stärkere Einbindung in die Versorgung Grundvoraussetzung.

Insgesamt zeigte der Infoabend, dass telemedizinische Screening-Modelle ein erhebliches Potenzial zur Entlastung der augenärztlichen Versorgung bieten, insbesondere in strukturschwachen Regionen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Weiterentwicklung der Optometrie – insbesondere im Hinblick auf einheitliche Qualifikationsstandards und klare Kompetenzprofile – eine zentrale Voraussetzung dafür ist, als Optometristen künftig eine aktivere Rolle in der kassenfinanzierten Versorgung zu übernehmen. Die VDCO setzt sich genau hierfür ein und will einheitliche Guidelines für optometrisches Screening schaffen.

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