Forschung: Kontaktlinsen als Medikamententräger

Fraunhofer-Kontaktlinse

Bei der örtlichen Behandlung von Augenkrankheiten entfalten oft nur etwa fünf Prozent eines Medikaments ihre Wirkung im Gewebe des Auges.

Ein deutsch-israelisches Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung möchte daher Kontaktlinsen als Trägersystem für Wirkstoffe nutzen, um die Kontaktzeit des Medikaments mit dem Gewebe im Auge zu verlängern und die Kontaktlinse mit Hilfe von Zuckern besonders verträglich gemacht werden.

Mit diesem System sollen Schmerzen gelindert, die Wundheilung verbessert und die Hornhaut geschützt werden. Die Anforderungen sind jedoch hoch: der Wirkstoff muss über eine möglichst lange Zeit freigegeben werden, die Kontaktlinse muss optimale Schmiereigenschaften haben und alle Bestandteile müssen biologisch unbedenklich sein.

Ziel des deutsch-israelischen Forscherteams ist es, die Innenseite der Kontaktlinse mit Liposomen, zu beschichten, die einen Arzneistoff in sich tragen und diesen über die Zeit freigeben können. Doch der Einsatz von Liposomen ist nicht die einzige Strategie, mit der die Kontaktlinsen optimiert werden sollen. „Zucker spielen in diesem Projekt eine entscheidende Rolle“, erklärt Dr. Ruben R. Rosencrantz, der das Projekt am Fraunhofer IAP leitet. „In unserem Körper sind Zucker an den verschiedensten Stellen für Gleitfähigkeit verantwortlich. In der Schleimschicht des Auges ermöglichen sie beispielsweise das reibungslose Gleiten des Augenlides. Um genau diesen Effekt auch mit der Kontaktlinse zu erreichen, haben wir am Fraunhofer IAP stark zuckerhaltige Polymere entwickelt, sogenannte Glykopolymere. Sie werden einerseits auf der Oberfläche der gesamten Kontaktlinse gekoppelt, andererseits können sie Bestandteile der Liposomen sein, die den Arzneistoff in sich tragen“.

Um ein genehmigtes Medizinprodukt zu erhalten, arbeiten alle Partner in dem dreijährigen Projekt, das bis Juli 2021 läuft, eng zusammen. Gefördert wird das Projekt in Deutschland mit rund einer Million Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Einen ausführlichen Beitrag dazu lesen Sie in der EYECOM 3.2019.

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